"Liken" der "Likes" wegen?!

Wir lesen einen schnipischen gar sarkastischen Kommentar und drücken gefällig auf Daumen-Hoch, wir toppen und floppen ganze Videoreihen oder herzeln ein liebgeäugeltes Bild einer hübsch tattoowierten Dame. Zwei Minuten später wissen wir davon schon garnichts mehr und sind Teil der Wegwerfgesellschaft für Medien.

Früher habe ich gelacht, als jemand sagte ich würde täglich von hundert bis tausenden Medieneinflüssen geflutet werden. Dass er Recht hatte, war mir damals schon bewusst, doch dass mich das eines Tages tatsächlich belasten würde, habe ich nicht geglaubt. Man wird älter, wächst mit seinen Erfahrungen und merkt "Scheiße, er hatte recht"!

Täglich beobachte ich mich dabei, wie ich in der U-Bahn sitze, die Smombie-Horden vor ihren Geräten sitzend anstarre bevor ich - selbst nicht besser - via Tablet meine Seriensucht befriedige oder ein Bild nach dem anderen durch Instagram wische. Sofern mir nicht gerade der Sitzplatz für Behinderte auf dem ich sitze streitig gemacht wird, habe ich für die nächsten 40 Minuten eh keinerlei soziale Interaktion - ich tue es meinen Mitmenschen einfach gleich. Ich, du, wir, sie, es - alle sind wir mittlerweile zu Medienjunkies verkommen.

Ist es das was uns glücklich macht? - Ich behaupte mit Recht zu sagen: "NEIN!"

Doch trifft das wirklich auf uns alle zu? Nun ja, ich kann jetzt nicht für die ganze Menschheit sprechen, aber der Großteil der Urbanenbevölkerung sollte mir, sofern er ehrlich zu sich ist und tief in sich reinhört, zustimmen. Wir wischen ganze Bücher an Seiten nach oben, swipen Personen in die "Hot or Not"-Ablage und drücken schlussendlich Emotjies um der anderen Seite zu zeigen, wie geil wir den "Shit" finden. Lange im Gedächtnis bleibt uns das aber nicht und viel darüber nachgedacht haben wir davor auch nicht. Im besten Fall haben wir einfach ein wenig Langeweile überbrückt.

Doch warum tun wir das?

Eine interessante Frage und definitiv keine der leichteren Sorten. Nun, ich bin kein Psychologe und habe auch kein bisschen Medienwissenschaften studiert. Ich würde aber dennoch behaupten, der Mensch hat eine gewisse Gleichgültigkeit in schleichender Form für das Normale entwickelt. Schuld daran könnten die seit Jahren immer populärer werdenden sozialen Netzwerke sein, die globale Vernetzung von allem und jedem oder der Überfluss an "Fastfood"-Mediendienste die es einem Erlauben für jeden Geschmack das richtige via Algorythmus zu streamen. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber ich bin gerade heute wieder zu der erschreckenden Erkenntnis gekommen:

"Es muss sich was ändern, ich muss was ändern, bei mir!"

Tagtäglich zweifel ich an mir und dem was ich fotografisch leiste. Kaum ein Bild gepostet gehen die Befürchtungen besser Ängste los. Ist es gut genug bei so wenig "likes", werden meine Bilder gemocht und geliked oder nur das Aussehen meines Models, heb ich mich überhaupt genug von der Masse ab oder muss es noch kontrastreicher und knalliger sein, ... ?! Ich könnte soviele Dinge aufzählen, im Grunde ist das jedoch alles Schwachsinn verursacht von Dingen die ohne Belang sind, erzeugt von Leuten, die NICHT NACHDENKEN! - Wir denken nicht nach, wenn wir einen Kommentar, ein Video oder ein Bild toll finden, wir reagieren einfach auf optische, unterbewusste Reize oder mittlerweile einfach aus Gewohnheit. Doch wofür? Ganz klar meistens nicht, weil wir etwas aus tiefster Überzeugung toll finden und zuvor richtig analysiert und hinterfragt haben.

Aber sollten wir das nicht eher tun?

Ich bin der Meinung, dass sollten wir. Und ja, ich handle mittlerweile bewusster danach. Ich denke mittlerweile dreimal nach bevor ich ein Bild "herze" und "bejae". Dem Gegenüber ist das vielleicht nicht bewusst, weil ich nur einer von vielen "Fans" bin, aber mir um so mehr. Dass ich endlich wieder etwas aus echter Überzeugung mache bzw. gut finde, tut mir gut. Und genau das ist es, was ich in meinen Bildern genauso wieder sehen will bzw. zu sehen versuche. Es wird nicht einfach, vorallem weil die professionelle Schiene ebenso schnell und haltlos agiert wie der Rest. Ich halte zukünftigt dennoch weniger an Wertungszahlen sozialer Medien fest. Ich muss und werde mehr an den Meinungen der Leute halt finden, die mit dem glücklich sind, was ich für sie erarbeite, als an den gleichgültigen Meinungen Dritter. Leute die nach einer Hochzeit über 500 Bilder resümieren und mir am gleichen Tag in Whatsapp folgendes schreiben:

"wow... die fotos sind der hammer...♥♥♥"
"der absolute hammer"
"der absoluter ober mega hammer!!"
(Zitat: Steffi B.)

Hier sollte die Motivation herkommen, hier will ich meine Kraft wieder herbekommen und ihr solltet darüber nachdenken, ob das nicht ebenso etwas für euch ist. Nehmt euch bewusst Zeit und schreibt lieber einen netten Kommentar unter ein Bild, der dem anderen zeigt, es hat euch wirklich bewegt, als einfach nur einen Knopf zu drücken und es dann wieder zu vergessen. LERNT WIEDER BEWUSSTER DINGE ZU TUN UND WAHR ZU NEHMEN!