How-To: Eventfotografie, leicht gemacht!

WAS MACHT GUTE PARTYFOTOGRAFIE AUS UND WAS MUSS ICH TUN, DAMIT MEINE FOTOS BESSER WERDEN?

AUSRÜSTUNG

Aller Anfang ist schwer und oft hilft nur ausprobieren. Diese Seite soll Grundkenntnisse und Anregungen für kreative Partyfotos vermitteln, damit ihr nicht ins kalte Wasser geworfen werdet um schwimmen zu lernen!

Fotografie auf Partys ist sehr anspruchsvoll. Es ist dunkel und verschiedene Lichtquellen führen zu Mischlicht, welches einen korrekten Weißabgleich erschwert. Hinzu kommt die Bewegung der Besucher die ungern lange still stehen, so dass der Blitz eingesetzt werden muss. Der Blitz kann jedoch die Lichtstimmung und damit die eingefangene Atmosphäre der Party zerstören. Daher ist es wichtig, sich mit den Funktionen der Kamera vertraut zu machen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Dabei sind die Ergebnisse einer DSLR häufig deutlich besser als die einer Kompakten. Rauschverhalten, Einstellmöglichkeiten und die Verwendung eines externen Blitzes sprechen für eine DSLR.

EINSTELLUNGEN

Ich versuche mit meinen Einstellungen die Lichtstimmung der Party zu erhalten und dabei die Personen scharf abzubilden. Dazu kann ich ein paar Grundeinstellungen vorgeben, die jedoch je nach Lichtsituation angepasst werden sollten.

Eine Möglichkeit bietet der manuelle Modus M und die Blendautomatik TV. In diesen Modien können die Belichtungszeit, Blende (nur M) und die ISO unabhängig voneinander eingestellt werden. Von Vorteil ist hier ein externer Blitz der sich idealerweise neigen und drehen lässt und über IR-Focus auch im dunkeln die Kamera scharf stellen lässt.
Die Belichtungszeit bei Partyfotos muss relativ lang sein. Dazu stelle ich vorläufig die Belichtungszeit auf eine 1/4 – 1/8 Sekunde und variiert diese bei Bedarf. Das Bild sollte nicht verwackeln, denn sobald der Blitz zündet, friert er das Bild ein. Stellt euch eine Tanzfläche vor auf der alles in Bewegung ist. Ohne Blitz entsteht hier jede Menge Bewegungsunschärfe auf dem Foto. Um dies zu vermeiden benötigen wir den Blitz. Der Blitz gibt dabei genau so viel Leistung ab, dass das Bild richtig belichtet wird. Die Bewegung wird eingefroren. Nun kommt die lange Belichtungszeit ins Spiel. Sie sorgt dafür, dass der Bildsensor genügend Licht des Hintergrundes einfangen kann, da die Reichweite des Blitzes i.d.R. nicht ausreicht.

Es bietet sich an eine möglichst hohe Lichtempfindlichkeit 800 – 1600 ISO zu verwenden. Zu hohe ISO-Werte führen zu starkem Bildrauschen. Ihr müsst daher selber abwägen, wie viel Bildrauschen ihr tolerieren könnt. Die hohen ISOs dienen ebenfalls dazu, möglichst viel Licht von dem Hintergrund einzufangen. Es stört nicht, wenn das Bild ein wenig rauscht, denn die erhaltene Lichtstimmung ist es wert.

Die gewählte Blende für Partyfotos sollte eher offen sein (niedrige Blendenzahl) damit sie viel Licht durchlässt, z.B. f/3.5 (grösste mögliche Blende bei Canon Standartobjektiv) womit ihr eine ausreichende Tiefenschärfe erreicht. Eine größere Blendenöffnung, z.B. f/1.7, würde mehr Licht durchlassen, führt jedoch zu einer niedrigeren Tiefenschärfe, so dass Personen die nicht in der Schärfeebene stehen u.U. unscharf abgebildet werden. Ein Weitwinkel wirkt diesem Effekt entgegen, da dieser eine höhere Tiefenschärfe besitzt und größere Blendenöffnungen genutzt werden können. Da man als Partyfotograf meist sowieso unter beengten Bedingungen arbeiten muss, ist ein Weitwinkel nie verkehrt.
Der Weißabgleich für Partyfotos steht bei mir auf „automatisch“. Es ist schwierig den Weißabgleich schon vor der Belichtung korrekt einzustellen, denn sobald der Blitz eingesetzt wird, vermischt sich das Blitzlicht mit dem Kunstlicht der Party und wird dann meist blau. Wenn ich den Weißabgleich setze, achte ich besonders auf eine richtige Wiedergabe der Hauttöne.

Die Belichtungsmessung stelle ich auf Spot ein, d.h. ein kleiner Bereich der Bildmitte ist für die Belichtung der Partyfotos verantwortlich. Da im Modus M oder TV gearbeitet wird (siehe oben), benötigt man die Belichtungsmessung nur für den Blitz, bzw. für die Blendöffnung im TV Modus.

TIPPS FÜR INDIREKTES BLITZEN

Für Partyfotos sollte der externe Blitz zumindest neigbar (besser auch drehbar für Partyfotos im Hochformat) sein, da ein frontaler Blitz die natürliche Lichtstimmung der Party zu stark beeinflusst. Die Neigung des Blitzes sollte in einem Winkel zwischen 60 und 90 Grad liegen. Blitzt dabei möglichst gegen eine weiße Decke oder Wand. Diese reflektiert das Blitzlicht, streut dabei aber stark das Licht und reduziert unerwünschte Schlagschatten. Die Wand sollte weiß sein, da das reflektierte Licht die Wand- bzw. Deckenfarbe annimmt. Steht man mit dem Rücken zur Wand wird der Blitz auf 90 Grad geneigt um nach hinten zu blitzen. So kann das Licht von der Wand reflektieren und die Streuwirkung zusätzlich erhöhen. Letzteres erfordert dann evtl. je nach Situation eine Erhöhung der Blitzleistung, aber nur soweit, dass der Vordergrund aufgehellt wird. Man will ja nicht die gesamte Location einfrieren. Um das Blitzlicht weiter zu streuen, kann man zusätzlich einen Bouncer verwenden.

ERSTER ODER ZWEITER VERSCHLUSSVORHANG?

Auf dem zweiten Verschlussvorhang zünden hat einen gewissen Vorteil. Blitzt ihr mit ETTL habt ihr nicht das Problem mit geschlossenen Augen. Das liegt an dem Vorblitz der ETTL-Messung, kurz vor dem eigentlichen zünden des Blitzes. Manche Leute reagieren darauf sehr empfindlich und schließen die Augen. Blitzt ihr auf den zweiten Vorhang habt ihr dieses Problem nicht. Dafür könnte der Vorblitz die Leute verwirren, so dass sich die Leute während der Belichtung aus dem Bild bewegen oder die Mimik verändern. Dieser Aspekt spricht also für den ersten Vorhang. Am Ende müsst ihr selber entscheiden womit ihr besser leben könnt.